Justizanstalt Jakomini, Graz
Neuerrichtung eines Eingangs- und Verwaltungsgebäudes

Wettbewerb 2008: 4. Preis
Fertigstellung: -
Baukosten: 5.900.000 EUR geschätzt
HNF: 2.700 m²
BGF: 4.200 m²
NGF: 4.000m²
BRI: 11.500 m³
Bauherr: BIG
Bundesimmobiliengesellschaft GmbH
Neulinggasse 29
A-1030 Wien
Landschaftsplanung: Prof. Nagel und Schonhoff, Hannover
Statik: Ertl, Horn & Partner Ziviltechniker GmbH, A- Klagenfurt
TGA: Planungsgruppe VA, Hannover

 

 

Projektbeschreibung:

Städtebau, Gestalt und Prägung / Entwurfsgedanken und Grundlagen

Nach unserem Vorschlag für die Neuerrichtung eines Eingangs- und Verwaltungsgebäudes der Justizanstalt Graz Jakomini soll gleichzeitig eine städtebauliche Komplettierung und Arrondierung sowohl im zurückgereihten Bereich, als auch direkt am Jakominigürtel einhergehen.

So könnte das Freigängerhaus in einem späteren Bauabschnitt bis zur Einfahrt zur Justizanstalt einen Kopfbau und Endpunkt der straßenseitigen Bebauung ausbilden, während eine markante Großgrün- Kante Parken unter Bäumen ermöglicht, der Straße Halt gibt und den Abstand zur Sicherheitsmauer herstellt.

Die Zuwegung zum Eingang deutet sich unter dem Gebäudevorsprung des Freigängerhauses am Jakominigürtel bereits als langgestreckter Gang über die einzelnen sinnbildhaften Stationen bis tief in das Innere des Gebäudes an.

Das dreigeschossige Eingangs- und Verwaltungsgebäude sowie die zweigeschossige Erweiterung durch Werkstätten, Wäscherei und Sporthalle im zweiten Bauabschnitt folgen im übertragenen Sinne der semantischen Typologie des alten Landesgerichts mit seiner anspruchsvollen Architektur zur Schauseite und der angefügten weniger aufwändigen, nutzungsbedingten Formensprache und Gliederung der rückwärtigen Baukörper und bilden ebenso, quasi als Satellit, Abbild der Urform, einen prägnanten Kopfbau aus, dem sich die Nutzbauten bescheiden unterordnen.

Die Appendix- Verbindung durch den niedrigen Verbindungsgang der Aufnahme- Straße unterstreicht die Solitär- Stellung des vorgelagerten Eingangsgebäudes und des Ensembles parallel zur Grundform, imitiert den Altbau, führt zu den Randbereichen die Maßstabsangleichung herbei und verhindert das Ausufern der Baumassen zugunsten einer Kleinteiligkeit und Ablesbarkeit der bauchronologischen Entstehungsgeschichte.

Unter Wahrung des Sicherheitsaspektes wird für das Gebäude eine leichte, filigrane geschosshohe Pfosten- Riegel- Fassade vorgeschlagen, wobei fest verglaste transparente Elemente mit arretierten öffenbaren opaken Lüftungsflügeln in ein belebtes färbiges Spiel der Fassadengliederung eintreten.

Es entsteht für den Innenraum ein Wechsel von Geschlossenheit, Abschirmung und Offenheit, freier Ausblick.

Durch das enge Rastermaß kann im Verwaltungsbereich auf eine Vergitterung verzichtet werden.

Das abstrakte Gebäude stellt sich somit bewusst in den Kontrast zu den massiven, steinernen Putzbauten und zur brutalen Betonwand der Sicherheitsmauer, zwischen die das Eingangsgebäude gespannt ist.

Durch den winkelförmigen Zubau bildet somit die neue Pforte der Justizanstalt Graz Jakomini unter Einbeziehung des ehemaligen Mitarbeiterhauses und Anbindung an den Brandgiebel des nachbarlichen Wohnhauses eine Zweiflügel- Hofanlage aus, die sich nach Westen zum Park öffnet.

An der Ostflanke führt die Aufnahmestraße in geradliniger Stringenz und verbindet sich mit der Achsialität des Strafvollzugs- Gangs innerhalb des Altbaus der Justizanstalt. An der Grenzlinie, dem Scheideweg der Aufnahmestraße steigt die Kaskadenstiege frei empor und verbindet die Abteilungen.

Diese ordnende Achse versammelt sämtliche Funktionen des Eingangs- und Verwaltungsgebäudes einseitig streng nach Westen, während nach Osten sich ihr die übersichtliche Zufahrtschleuse im Außenbereich anschmiegt.

Im Schnittpunkt der Sicherheitsmauer mit der Aufnahmestrasse liegt an strategisch günstiger Stelle die Eingangskontrolle, die hermetisch, wie ein Verschluss, Innen von Außen abriegelt und Besucher von Insassen trennt.

Als bildhaftes Symbol setzt sich daher innenräumlich die Sicherheitsmauer scheinbar fort, lediglich unterbrochen durch die Glaskanzel des Tordienstes und die Sicherheitsglasfenster der Sprechkabinen in der Besucherzone.

Das Untergeschoss ist dem Funktionsbereich des internen Dienstes zugewiesen, ebenso gilt dies für das in die Gesamtform integrierte Altgebäude, dessen durch Entkernung und auf die tragfähigen Elemente reduziertes Bauvolumen sämtliche Nutzungsfunktionen für die Mitarbeiter aufnimmt.

In den beiden oberen Stockwerken sind die Aufenthaltsbereiche der Bereitschaft und Büroräume der Verwaltung, der Leitung und des psychologischen Dienstes gelegen, sowie der doppelgeschossige Mehrzwecksaal für die Bediensteten der Justizanstalt.

Gemeinsam ist allen Abteilungen und Bereichen die Orientierung zu ruhigen offenen, dem Justizvollzug abgewandten Höfen und Außenbereichen, die durch die verbindende Spange der Themengärten zusammengefasst werden und gedanklich die Verknüpfung mit dem Landesgericht und der Justizvollzugsanstalt herstellen, Geist und Sinn der Vorstellung vom humanen Strafvollzug befördern.

Statisches Konzept / Gebäuderohbau

Der Neubauteil ist als Stahlbetonskelett-bauweise mit Stützen und Flachdecken konzipiert. Mit einem Achsmaß von 6 m sind an den Außenbereichen Stahlbetonstützen vorgesehen, auf denen unterzuglose Stahlbetonflachdecken aufliegen.

Die Mittelwand zu den Erschließungszonen wird zur Erzielung von größtmöglicher Flexibilität ebenfalls mit Stahlbetonstützen im Achsmaß von 6 m ausgebildet.

Die Ausfachung zwischen den Stahlbetonstützen kann sowohl in Massivbauweise – gemauert oder auch in Leichtbauweise erfolgen.

Die Deckenkonstruktion über dem zweigeschossigen Mehrzwecksaal wird als Stahlbeton - Rippendecke ausgeführt, um die Spannweite von ca. 9 m zu überbrücken.

Stahlbetonstützen über 2 Geschosse und ein Randunterzug leiten die Deckenkräfte in das Kellergeschoss und die Fundierung ab.

Die Galerie über dem Mehrzwecksaal wird in Stahlbetonbauweise auskragend errichtet.

Das Untergeschoss ist in herkömmlicher Stahlbetonbauweise mit Wänden, Stützen und einer Stahlbetonfundamentplatte (weiße Wanne - abdichtungslos) mit örtlichen Verstärkungsvouten unter Stützen und Wandscheiben vorgesehen.
Im Untergeschoss sind Stahlbetontreppen vorgesehen.

Die Treppenverbindungen in den oberirdischen Verbindungszonen werden als eingehängte bzw. aufgesetzte Stahlkonstruktionen ausgebildet.

Die Horizontalkräfte aus Windbeanspruchung und Erdbebenlasten werden durch Stahlbetonwandscheiben an den Gebäudeenden und im Schnittpunkt des L-förmigen Neubaues sowie durch den Liftkern abgetragen.

Durch die gewählte Tragkonstruktion ist eine wirtschaftliche und rasche Herstellung des Neubaues sichergestellt. Auf zeitintensive und kostenaufwändige Unterzuglösungen bei den
Deckenkonstruktionen wird verzichtet.

Die wasserdichte Fundamentplatte sichert gleich vom Beginn der Bauarbeiten ein trockenes Untergeschoss.

Die Rippendecke über dem 2-geschossigen Mehrzwecksaal ist auch aus Fertigteilen herstellbar, so dass eine aufwändige und teure Deckenschalung über 2 Geschosse hinfällig wird.

Energiekonzept / Gebäudetechnik

Das Energiekonzept richtet sich zum Einen am Anspruch der Stadt Graz als solare Hauptstadt
Europas aus, und zum Anderen am Klimaschutz und der Schonung fossiler Ressourcen. Zentraler Maßstab ist jedoch die Funktion des Gebäudes als Teil der Justizanstalt.

Ein Ziel des Energiekonzeptes ist es, den Jahresprimärenergiebedarf, der für die Gebäudeerwärmung aufgebracht werden muss, auf 40 kWh/m²a zu begrenzen.

Erreicht wird dies zum Einen durch die hocheffiziente Dämmung der Gebäude, die die komplette thermische Gebäudehülle umfasst, sowie durch die Nutzung sowohl von passiver als auch aktiver Solarenergie.



 

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